Verein-Geschichte

Die Betriebssportgemeinschaft Chemie Premnitz auf dem Weg zu einer Groß-BSG

Die Entwicklung des VEB Chemiefaserwerk „Friedrich- Engels“ als Trägerbetrieb und der Bevölkerungszuwachs von Premnitz in den 60er Jahren stellten neue Anforderungen an die Entwicklung des Sportangebotes. Die Leistungen der Chemiesportler, insbesondere der Handballer, waren in Fachkreisen anerkannt. Zu ihren Spielen kamen bis zu 1000 Zuschauer. Der Trend im Handball ging Anfang der 60er Jahre endgültig zum Hallenhandball über. Die bisher von den Handballern. genutzten Werkhallen des CFW wurden für die Erweiterung der Produktion benötigt. So wurde durch die BSG-Leitung unter Werner Stäbe an den Trägerbetrieb die Forderung gestellt, eine große Sporthalle in Premnitz anbauen, um das erreichte Leistungsniveau zu sichern. Mit großem Verhandlungsgeschick gegenüber dem Trägerbetrieb und dem Rat des Bezirkes Potsdam als Geldgeber (Lottomittel) sicherte die BSG-Leitung den Bau der Sporthalle mit internationalem Spielfeldmaß, Zuschauerrängen, Vorrichtungen für weitere Hallen- sportarten, wie Turnen, Tennis und Volleyball am Tor 2.

Im Jahr 1962 wurde die Sporthalle fertiggestellt und feierlich eingeweiht. Premnitz verfügte zu diesem Zeitpunkt über die modernste Sporthalle im Bezirk und wurde in den folgenden Jahren Gastgeber internationaler Sportveranstaltungen im Handball und Turnen. In dieser Zeit wurde auch das Sportgelände um einen weiteren Rasenplatz, zwei Tennisplätze und dem Stadionturm erweitert.

Die Wassersportler steckten viel Kraft und Liebe in den Ausbau des alten Sägewerkes an der Milower Brücke zu einem schmucken und sportgerechten Bootshausgelände.

Mit diesen neuen Sporteinrichtungen und der finanziellen und personellen Unterstützung durch den Trägerbetrieb kam es bei den ballspielenden Sektionen zu beispielhaften Entwicklungen. Im Handball wurde eine ständige Zugehörigkeit in der DDR-Liga erreicht. Es wurde 8-mal der Aufstieg in die DDR-Oberliga geschafft.

Die älteren Handballanhänger der Region erinnern sich noch an die Leistungsträger im Premnitzer Handball dieser Zeit wie Horst Kertz, Karl-Heinz Groß ,Wolfgang Stolle, Harald Reim, Dieter Markau, Manfred Herrmann, Achim Ruppin, Jörg Braun und Waldemar Dohrn. Als Trainer fungierten in dieser Zeit die Sportfreunde Großkreuz, Beckmann und Reim.

Nach Jahren der Stagnation wurde die Sportart Fußball in Premnitz attraktiver. Durch Zugänge von Fußballern aus Rathenow, Brandenburg und anderen Orten entwickelte sich in wenigen Jahren eine leistungsstarke 1. Fußballmannschaft. Diese Mannschaft wurde dann auch durch die Betriebsleitung, insbesondere durch den Betriebsdirektor, Karl Kaiser, gefördert.

Im Jahre 1967 sicherte sich die Mannschaft in dem Aufstiegsspiel in Espenhain den Aufstieg in die DDR- Liga. Trainer Weitkuhn hatte eine leistungsstarke Elf geformt, die in den 60er Jahren die Liga-Zughörigkeit sicherte und tausende Zuschauer ins Chemiestadion lockte.

Im Jahr 1962 übernahm Peter Kutzer die Sektion Turnen. Mit den Sportfreunden Pritzkow, Harsdorf, Hentschel und dem Ehepaar Kristallis wurden in der Sportart Turnen erste Erfolge erzielt. Mit der Sporthalle an der Südschule konnte die materielle Basis erweitert werden. So wurde folgerichtig 1966 ein Leistungstrainings- zentrum Turnen bei der BSG eingerichtet.

Die an Tennis interessierten Premnitzer nahmen 1967 die Tennisanlage in Besitz. Zunächst waren es 25 Sportfreundinnen und Sportfreunde.

Erst 1964 kam nach langer Pause die Leichtathletik wieder ins Premnitzer Sportangebot. Uwe Kanty kam nach Premnitz und begann, für die Leichtathletik Interessenten an den Premnitzer Schulen und der Betriebsberufschule zu gewinnen. Mit Klaus Fiehöfer übernahm 1967 ein gut ausgebildeter Sportlehrer die Sektionsleitung. Er war auch viele Jahre erfolgreich als Übungsleiter. Die Sportart hatte schnell viele Mitglieder, besonders im Kinder- und Jugendalter.

Im Jahr 1962 hatte sich die Sektion Wassersport in eine Sektion Kanu und eine Sektion Segeln umorganisiert. Die Segler der ersten Stunde waren Karl Goetsch, Fritz Schlüter, Hermann Schulz und Alfred Endrikat. In den folgenden Jahren entstanden die Seglerhalle und der Kanurennstall. Die Kanuten und Segler organisierten die ersten gemeinsamen Bootskorso. Die Rennkanuten errangen zahlreiche Siege zu den Kreismeisterschaften.

Einige Sportfreunde aus der Sektion Bohle wechselten mit Hermann Maigatter zur Sportart Bowling und gründeten die Sektion Bowling, deren erster Sektionsleiter Hermann Maigatter wurde. Auf Initiative und unter aktiver Mitwirkung der Mitglieder wurde aus einer 2- Bahnen „Schere“ am Klubhaus Bunsenstraße eine 2- Bahnen-Bowlingbahn und nach Anbau zwei weiterer Bahnen und einem Sozialtrakt eine schmucke 4-Bahnen Bowlinganlage. Zur Einweihung der Anlage 1966 war der vielfache DDR-Meister Chemie Buna Halle dabei. Siegfried Sommer, bester Spieler von Buna, Meister des Sports und EM-Teilnehmer, fand Gefallen an Premnitz und schloss sich der BSG Chemie Premnitz an. Er war fortan eine große Stütze und Motor für die Entwicklung des Premnitzer Bowlingsportes. Bei der Bildung der Bowling-Sonderliga 1967 der DDR qualifizierten sich die Premnitzer Herren für diese höchste Liga. Nach 2. und 3. Plätzen wurde die 1. Mannschaft 1970 erstmals DDR- Meister. Irene Haase war die erste Premnitzer Bowlingspielerin, die einen Einzel-DDR-Meistertitel nach Premnitz holte.

Die Sektion Schwimmen war zu Beginn der 60erJahre auf einem hohem Leistungsniveau. Sie zählte zum damaligen Zeitpunkt über 150 Mitglieder. Viele Sportfreunde haben sich in dieser Zeit in der Sektion verdient gemacht.

Doris Strehle, Horst Kresse, Heinz Liebner, Wolfgang Wichmann, Heide Ruge waren damals die Leistungsträger.

Die Sektion verlor 1966 ihre Sommer-Übungs- und Wettkampfstätte am Premnitzer See. Nach 10 Jahren Nutzung wurde die Steganlage im Herbst 1965 gesperrt und abgebaut. Die Schwimmer konnten fortan nur noch in Brandenburg im Hallenbad ihre Übungen und Wettkämpfe mit viel Zeit- und Kostenaufwand durchführen. Der Wunsch nach einem neuen, beheizbaren Bad entstand schon zu diesem Zeitpunkt.

Die Anfänge im Premnitzer Schachsport sind nicht mehr exakt feststellbar. Zu den Pionieren gehört Walter Ahrens. Von seiner Ehefrau Susanne unterstützt, übernahm er die Sektionsleitung und setzte erste Maßstäbe. 1961 waren die Schachspieler Gastgeber der DDR-Meisterschaft in Premnitz. Die Sektion Schach hatte als Übungs- und Wettkampfstätte das runde Zimmer im Klubhaus Bunsenstraße. 1967 übernahm Dr. Hans-Ulrich Dost die „Führung“. Fritz Lorenz, Alwin Lache und Hellmut Hofmann waren die erfolgreichen Übungsleiter in diesem Zeitabschnitt.

Die BSG Chemie Premnitz hatte sich in den 60er Jahren zu einer Groß-BSG entwickelt. Über 1000 Mitglieder in ll Sektionen trieben auf den neuen Sportanlagen aktiv Sport. Für die vorbildliche Entwicklung des Sportangebotes in Premnitz wurde die BSG Chemie Premnitz 1965 mit der „Friedrich-Ludwig-Jahn-Medaille“ ausgezeichnet.

Für die Organisation der Premnitzer Sportarbeit, die Betreuung und Herrichtung der Sportanlagen für Übung und Wettkampf, die Finanzierung der Sportdurchführung, Erhalt und Ausbau der Sportstätten nach Vorgaben der ehrenamtlichen BSG-Leitung und den Sektionsleitungen war vom Trägerbetrieb ein hauptamtliches Arbeitskollektiv unter Leitung von Sportfreund Uli Hahn bestellt.

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